Odessa II – 12 Grad Celsius

Tach,

Wer bitte schreibt denn über das Wetter, seit dem SDS niemand mehr! Doch, ich schreibe darüber.

Heute morgen gucke ich nach dem Wetter und lese: 8 Uhr, 12 Grad. Falscher Film. Ich bin im Süden.

Jetzt ist es soweit, die Doors brummen in meinem Kopf „Summer’s almost gone, where will we be when the summer’s gone?“. Gestern Abend war es schon etwas kühl, immer kurz vor dem Regen, es stürmte, herrliche Luft. Ich hatte fünf Stunden das Fenster offen. (Kein Musiker draußen!) Die ganze Zeit war Gerumpel zu hören, aber es kam kein Regen. Es waren nicht die Vor-Geräusche zum großen Regenguß, sonder die Geräusche vom Hafen die der Wind herüber trug. Ich bekomme sowieso immer morgens erstmal einen Schreck, die Straße ist naß! Dann aber fällt es mir wieder ein. Sie ist gesprengt worden vom einem Putzfahrzeug. Die fleißigen Odessiten putzen Ihren Vorzeigesteg morgens von fünf  bis acht? Jedenfalls, wenn ich um zehn vor neun über die Kolonnade laufe, ist keiner der Straßenfeger mehr zu sehen. Das ist aber auch in Russland üblich, die sind sehr frühmorgens unterwegs. Warum? Keine Ahnung. Nur im Winter sieht man auch tagsüber schneeschippende Frauen.

Ich habe dem getrotzt heute morgen und gesagt, nee nicht für mich. Wie jeden Tag bin ich mit kurzen Hosen, T-Shirt (mit Unterhemd , kонечно, natürlich, bin ja ein alter Mann) los. Meine hier immer für Aufregung sorgende Kniestrümpfe an – das sind Kompressionsstrümpfe, aber wer weiß das schon. Ich sehe ja, wie die Menschen von jung bis alt sich anstoßen, wenn ich ihnen entgegen komme. So jemanden haben sie noch nicht gesehen. Zeit wird es. – Im Supermarkt „Ashan“ hat mich eine Frau angesprochen; ob ihr Mann von mir und ihr ein Photo machen dürfte, bitte, der Mann wollte dann auch. Henry, wo hast Du nochmal Deine Autogrammkarten drucken lassen? Es wird höchste Zeit für mich.

Odessa heute Morgen an der Kolonade.

Deckel auf den Kopf, Tasche gegriffen und los. Ich bin extra an der Kolonnade lang gelaufen. Denn das ist der Morgengruß den Odessa für mich hat: ein Blick über das, von der morgendlichen Sonne beschienene, Meer. Das ist der Grund warum ich hier bin, jeden Tag das Meer sehen, hören, riechen.

Das wird frisch hier an der Meeresluft, dachte ich, aber so schlimm war es gar nicht. Eher wie gestern, wo es hieß es sind 16 Grad. Aber was machen meine Freunde die Odessiten? Sie mümmel sich geradezu ein. Als sei der Winter ausgebrochen, gut Jacke, leichte Jacke, das kann ich noch verstehen. Aber Mantel, Schal, Wollmütze, einer mit Handschuhen, Winteranorak, Kapuze über den Kopf gezogen, ist doch ein bißchen sehr fett. Gestern noch am Strand gefaulenzt, und heute das. Also ehrlich, übertreibt ihr nicht ein bißchen? Aber all die sonnenverwöhnten Menschen des Südens frieren eben schneller, als Nordmänner und Frauen. Wir freuen uns über 16 Grad und die gehen Holzhacken.

Die morgenentliche Deribasovskaya

Die morgenentliche Deribasovskaya

So manche Dame habe ich auf meinem Weg zum ersten Mal in Hosen gesehen. Beim Tour de France Cafe, wenn ich früh dran bin dann trinke ich schon mal einen Cappu vor dem Untericht, und heute hatte ich, wie geschrieben, den Turboschritt, hat sich ein Mädel eine Decke reichen lassen. Sie hatte sowieso schon einen geschlossenen Anorak an! Was machen die armen Menschen im Winter?

Am Tag waren dann sogar wieder 18 Grad.

Morjens

Die jüngeren Schönen Odessa frieren sich den Arm ab, Strickjacke, Mantel und Schal

Die jüngeren Schönen Odessas frieren sich den Arm ab, Strickjacke, Mantel und Schal


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