Odessa II – Der Buchmarkt

Tach,

Auf meinem Weg zum Bairischen Haus laufe ich durch den Buchmarkt. Das habe ich schon erzählt. Im Februar und März habe ich ihn für mich entdeckt. Und dort habe ich mein Lieblingscafé in Odessa gefunden, das Tour de France Café. Seitdem bin ich täglich dort, jetzt im September und Oktober ist das mein erster Halt nach dem Unterricht. Otdychaiu, ich erhole mich. Das „Do you like our Cappuchino“-Video ist auf www.facebook.com/Birrs.World  zu sehen. Es ist ein Ausschnitt aus einem noch folgenden „großen“ Video auf dem Video-Blog. Über den Buchmarkt hatte ich im Reiseführer gelesen, ich dachte, das ist ein Markt mit Antiquariaten. Warum wir im Sommer 2014 dort nicht hingegangen sind? Vermutlich, weil ich damals sehr schlecht laufen konnte. Und was soll ich mit ukrainischen, russischen Büchern, ich kann sie ja nicht lesen, tatsächlich gibt es auch einen Buchstand mit Second-Hand-LPs, aber leider nur Müll.


Es gibt drei Gänge, einen außen links, einen in der Mitte, mit Ständen rechts und links, einen außen rechts. Das Ganze ist überdacht, es sind befestigte Stände. Drei Abteilungen gibt es, in der Mitte, jeweils als Unterbrechung, einen kleinen runden Pavillon dazwischen. Ich bin gerne hier, es ist eine sehr relaxte, mediterrane Atmosphäre. Jetzt knallen allerdings gerade die Kastanien wie Geschosse aufs Dach, das ich jedes Mal zusammenzucke. Sie schießen direkt in mein Herz und sagen mir: der Sommer ist vorbei. Aber diese ganze Woche hatten wir über 25 Grad. Gefroren wird woanders.

Der Gang in der Mitte zum ersten der beiden Pavillons, im rechten Bild stehen zwei gelangweilte Geldwechsler und trinken Kaffee.


Ich muß mich erkundigen, ob der Markt immer so war, wie er jetzt ist, oder ob es früher doch ein reiner Buchmarkt war. Jetzt sind es etwa 30/40 % Buch, meist mit DVDs.

Zeit für ein Spielchen ist immer, zwei spielen, vier wissen Bescheid.

Was gibt es denn dann dort zu kaufen, wenn nicht Bücher?


An den Außenseiten gibt es Cafés, Kaffeestände, manchmal kann man sitzen, manchmal nur stehen, manchmal ist Café das eine, und Öl, Nudeln, Käse das andere. Überhaupt gibt es viel Kaffee zu kaufen, von Jacobs, Dallmayr bis Lavazza und Iona und anderen Italienern. Auch bei den Buchläden gibt es gemischte Läden. Das Photo mit dem „Kaffee-Altar“, das ich in Instagram hochgeladen habe, ist aus einem Buchladen. Nun haben aber die meisten andern Läden Lebensmittel, keine frischen bis auf den einen Stand mit Käse und einen andern, der ein bißchen Wurst hat. Sie haben Nudeln, Öl, sehr viel Süßigkeiten und alle haben Kaffee. Als ich im März hier das erste Mal war, lagen überall stapelweise Adventskalender von Milka bis Kaufland herum. Auch andere deutsche Adventssüßigkeiten. Überhaupt gibt es viel Kaufland, Konserven z.B. Aus unserer Sicht absurde Preise. Neben Kaffee sind Nudeln und Öl das meiste, was angeboten wird, Nudeln nur Barilla.

Beim ersten mal Nuddeln kaufen bin ich darauf reingefallen, der Stand neben dem Tour de France Café hat mir einen guten Preis gemacht, statt 43 Griwna habe ich die Barilla für 40 bekommen, immer noch fette 1,50 €. Alle anderen machen das auch so. Aber auf meinem geliebten Neuen Markt habe ich eine Frau gefunden, die hat Barilla sowieso für 35 Griwna. Und das Öl ist auch billiger bei ihr. (Ich kann mich nicht dazu entschließen, russische oder ukrainische Nudeln zu essen, das ist ganz grauenhaft, dann eher noch Birkel, nee. Anderseits soll ich denn nun auch noch Nuddeln einpacken bei so einer langen Fahrt, die Dinger von Italien nach Berlin schaffen, und dann in die Ukraine?). Das Öl das es auf dem Buchmarkt zu kaufen gibt, ist alles Olivenöl und zu 80% italienisch, der Rest ist griechisch. Dann gibt es noch Stände, die nur Drogerieartikel haben, Waschmittel vor allem. Das ist dann schon etwas absurd. Dazwischen ein, zwei, drei Stände mit Spiele-DVDs.

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Der Mann mit den „billigen Preisen“.

Wenn Ihr euch die Photos anseht, werdet ihr die sozialistische Art der Produkt-Platzierung wieder finden. Na klar, die haben ja alle nicht besonders viele Produkte und da muß man das strecken, damit die Regale voll aussehen. Das ist auf allen Märkten, auch in St. Petersburg so. Ich freue mich über die Pyramiden und Ähnliches.

Auf allen Märkten gibt es Frauen bzw. Männer die mit einem Wagen über den Markt fahren und Kaffee und Thee anbieten, manchmal gibt es auch etwas zu essen, aber eher nicht. Sie verpflegen die Händler, die ja nicht oder schwierig von ihren Ständen weg können. Thee und Kaffee ist oben drein billiger als an den Kaffeeständen selbst auf dem Markt. Aber nicht nur Händler, alle dürfen dort kaufen. In Rußland habe ich das, das erste Mal gesehen.

Wo aber haben die Menschen denn diese schöne, relativ teure Ware her? Da kann ich nur spekulieren. Kaufland wird einfach jemand mitbringen, der bis Polen gefahren ist und ein bißchen was dazu verdienen will. Die anderen Dinge, ich will niemandem zu nahe treten, werden wohl vom Lastwagen gefallen sein, Pardon, vom Schiff. Wir sind in einer Hafenstadt, mit internationalem Verkehr. Stimmt das? Egal, gute Geschichte. Ich werde versuchen es herauszubekommen.

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Öffnungszeiten, aber die stimmen nicht, manchmal kaufe ich auf dem Weg zum Unterricht schon, und der fängt um zehn Uhr an. Und abends nach sechs hatte auch schon einen „allerletzten“ Kaffee.

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Jetzt z. B. gibt es plötzlich wieder griechische Süßigkeiten, in Stanniolpapier eingewickelt. Die habe ich im Frühjahr gesehen, und wollte eigentlich, als Lilija hier war, ihr das zum Kaffee kaufen. Gab es nicht. Weg. In der letzten Woche hatten es auf einen Schlag wieder vier Stände. Sogar jetzt mit „Menü-Karte“, was es für Füllungen gibt. Mag sein, daß es sie im Sommer nicht gibt, weil sie dahin schmelzen, aber jetzt ist wieder eine Lieferung gekommen.

Dei gefüllten griechischen Süßigkeiten.

Die gefüllten griechischen Süßigkeiten.

Aber das ist nicht alles, es gibt noch einen Haufen Menschen, die scheinbar nur herum sitzen. Mit Taschen, oder ganz offen mit einem dicken Stapel Geldscheinen in der Hand. Auf dem Buchmarkt ist die Zentrale der Schwarztauscher. – In dem bereits erwähnten Video werdet ihr diese Menschen in Aktion sehen, und einen, den es gar nicht störte, daß ich meine GoPro auf der Stirn hatte, und mit dem ich um einen besseren Preis falsche.

Hier trinkt man Kaffee.

Morjens

Die Jungs die hier Mittagsschläfchen halten sind Geldwechsler.

Die Jungs die hier Mittagsschläfchen halten sind Geldwechsler.


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