Odessa III – Der zweite Mai

Tach,

Der Tag begann wie alle, mit Kaffee und russisch üben, um 13.30 kommt Larissa trotz Feiertag. Ich frage sie, ob was war, sie sagt nein. Sie ist zu Fuß gekommen vom Bairischen Haus.
Warum frage ich? Vor zwei Jahren gab es einen Brand im Gewerkschaftshaus und dabei sind Menschen gestorben. Odessa ist eine geteilte Stadt, sagt mann, wer immer das erkundet hat, die Hälfte ist für Ukraine, die andere Hälfte ist russophil. Die nehmen das zu Anlass um am zweiten Mai Krawall zu machen, vorheriges Jahr zumindest. Deswegen haben Olga, Veronika, Larissa und Lilija gesagt, ich soll am zweiten Mai zu Hause bleiben. Zumal ich mitten im Zentrum bin. Olga hat ihren Kindern verboten am zweiten Mai ins Zentrum zu fahren. Ich hatte bereits Sonnabend einen fünf Mann Trupp Soldaten gesehen in der Nähe des Bahnhofs. Mit einem gepanzerten Fahrzeug. Ich war leider in der Mitte der Straße, da konnte ich beim Fahren nicht photographieren, nach dem Wenden mußte ich einen Riesenbogen machen um wieder an die Stelle zu kommen, aber sie waren weg, kein Photo. Larissa sagte, sie hat nichts gesehen, aber sie ist schneller gelaufen als sonst.
Wegen des Alarms in der City muß ich ja nicht den ganzen Tag zu Hause bleiben, bei dem Superwetter schon gar nicht. Ich wollte noch mal zu dem Kloster, bei dem ich letztes Jahr mit Lilija war. Das ist in die Richtung, in der Larissa wohnt, also habe ich ihr angeboten sie mitzunehmen. Als wir dann vom Hof waren, wurde uns einiges klarer. Die Straße, in der ich wohne, ist die linke Außenkante des Schachbrettmusters, hin zum Bezirk Moldavanka. Sie geht von hier quer durch die Innenstadt zum Bahnhof. Aber nicht heute. Abgesperrt, kein Durchkommen. Also gewendet und runter zum Hafen, und unten das Center umfahren, immer noch nicht, wieder nach rechts, also weiter auf den Französischen Boulevard, das ist meine Hauptstrecke zum Meer, zur Gesundheits-Trasse, (wer sich an den Blog vom letzten Jahr erinnert, weiß Bescheid, die anderen können u. a. hier nachlesen http://birrs-world.com/odessa-ii-neue-kamera-und-trasa-zdorovja-endeckt/ ). Auf dem Französischen Boulevard war es dann fett voll und es ging nur schleppend voran, und dann mitten in dem Gedränge auch noch ein Unfall. Ich habe Larissa an dem Laden abgesetzt, in dem sie einkaufen wollte und bin weiter. Ich hatte keinen Stadtplan mit und so habe ich den Abzweig zum Kloster nicht gefunden und bin ersatzweise ans Meer gefahren. Endlich mal wieder in Ruhe am Meer. Na, dachte ich jedenfalls. Aber Sonntag, Ostern, da war ich auf der ganz anderen Seite der Stadt bei Fontanka, es war schon überall voll. Und hier nun auch. Es sind eben für alle die ersten richtigen warmen Sonnenstrahlen des Jahres. Nun, ich habe mein mitgebrachtes Brot mit Käse gegessen, 20 Minuten ein Video vom Meer für Andres gedreht, damit er wieder mit Soundscape weiter machen kann, und dabei ein Buch gelesen. Halbwegs entspannt. Aber es war wirklich sehr voll, nichts für einen alten Mann wie mich. Sonntag hatte ich schon die ersten Hardcore Bader gesehen, hier waren auch welche. Rundum Photos geschossen und das war es.
Na, nicht ganz, ich war Sonntag schon überrascht, daß in allen Parks, an denen ich vorbei kam, Menschen Picknicks machten, immer die ganze Familie. Mit Grillen und allem. Kann ich mir in Petersburg nicht vorstellen. Davon gibt es auch ein paar Photos.
Ich bin dann noch etwa umher gefahren um die Gegend zu erkunden, und war dann über Stelle an der ich am Meer war. Ein kleiner Park, ein Bolzplatz (und was für einer) das einzige Mädchen war Torwart, in Sandalen. Sie war sehr ernst bei der Sache.
Auf dem Weg zurück war das Centrum immer noch gesperrt und dann wieder nicht, ein paar Querstraßen waren offen ich durch bis auf zwei Ecken an die Wohnung ran. Stop. Ich war schon auf der Preobrazhensjka, das ist die Straße wo ich wohne. Ich erkläre es der Polizistin, die fragt nach den Dokumenten wo sie sahen kann, daß ich hier wohne. Ich sage: na klar, extra in meinen deutschen Pass eingetragen die Wohnung in Odessa. Also noch einen Bogen fahren um näher ran zu kommen. Der nächste Polizist, ganze drei Hausnummer trennen mich noch von der Wohnung, ich kann sie sehen. Ich sage ich wohne Nummer 24, er möchte mich bitte durchlassen. Nein. Dann: ob das vor der nächsten Sperre ist? Ja, sage ich, endlich fällt mir das russische Wort für braun ein. Ich sage: die braune Tür dort. Ah, ok ich darf fahren.
Ich habe dann nicht geguckt wie lange die da noch standen, gehört hatte ich den ganzen Tag nichts, und heute habe ich auch nichts in den Nachrichten gefunden. Larissa hat beim nächsten Unterricht gesagt es war nichts.
Also bleiben nur die Photos vom Tage, ist ja auch gut so.
Morjens

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