Odessa III – Fahrt von Odessa nach Chișinău

Tach,

Ich krame gerade in den Photos des letzten Sommers und denke, es wird nun endlich Zeit, die Fahrt zu Ende zu erzählen, zumal hier in St. Petersburg gerade gar scheußliches Wetter ist. So eins, das keiner mag, immer zwischen Antauen und wieder Frost, ständig tagsüber um null Grad und nachts etwas darunter. Matsch und Eis auf den Bürgersteigen, ungemütlich, blöd zu laufen. Nicht mal richtig kalt ist es, ständig ist mann falsch angezogen, weil es kälter aussieht, als es ist. Nur vorhin, als wir kurz am Strand der Festung waren, direkt neben der breitesten Stelle der Newa, da war es schon deutlich kälter und es gab einen unangenehmen Wind gratis dazu.

Aber zurück zum Sommer 2016. Wir sind am 16. Juli von Odessa losgefahren, erstes Ziel war die Hauptstadt Moldovas, Chișinău. Und langsam klappt es auch, dort auf direktem Weg anzukommen, nur an dem ersten Kreisverkehr sind wir falsch abgebogen, wie Thomas merkte, und Lilija scharf analysierte: Wir sind richtig abgebogen, nur am falschen Kreisverkehr. Sie könnten natürlich ein Schild aufstellen, auf dem Mal nicht nur Kiew drauf steht, aber gut-Ding-will-Weile-haben. Und wegen uns muß es auch nicht mehr sein, wir wissen ja nun, wo/wie es langgeht. Bei der ersten Fahrt auf dieser Strecke, im Jahr davor, sind wir ganz woanders gelandet und hatten „nur“ einen Drei-Stunden-Umweg gemacht. Offiziell ist das die Gesamt-Fahrzeit von Odessa nach Chișinău.

Auf jeden Fall gibt es von dieser Fahrt schon fast so viele Photos, wie ich es mir wünsche. Und endlich kommen auch die Bushaltestellen zum Zuge, bombastische wie rotte. Nur wenn wir eine Bummel-Tour machen würden geht das gut, und alles könnte photogarphiert werden, aber da wir ein Hotel gebucht hatten, müssen wir auch irgendwann mal ankommen. Und so eine Haltestelle in Ruhe aus allen Blickwinkeln zu photographieren, sind immer mindestens 20 Minuten. Noch in der Ukraine, fangen wir gleich, kurz hinter Odessa, mit einer besonders schönen an.

Mich fasziniert an diesen Bushaltestellen, seit ich mit dem Auto nach Petersburg fahre, wie viele unterschiedliche es gab. Jetzt werden die leider, wie in Polen vereinheitlicht und ich muß mich sputen, die besonders schönen noch für die Nachwelt festzuhalten. Wahrscheinlich muß mann fremd im Land sein, um die Schönheit in solch alltäglichen Dingen, wie Bushaltestellen, zu erkennen (?).

Hier kommen die nächsten.

Bißchen Landschaft

Es war Sommer und heiß und Thomas schielte überall auf dieser Tour nach Kwas. Da kam uns dieser Verkaufsstand/wagen gerade recht, drüben auf der anderen Straßenseite, gewendet und zurück. Nicht nur ich hatte Durst, auch Opa und Enkel. Die beiden haben sich auch gleich eine Flasche zum Mitnehmen abfüllen lassen. Wie immer, auch Kwas ist patriotisch, blau und gelb, die Nationalfarben der Ukraine.

Die letzten Kilometer vor der Moldauischen Grenze gehen durch ein Sumpfgebiet, die Straße wird immer schlechter, aber bald war es geschafft und wir waren in Moldova. Trotzdem Moldova das ärmste Land Europas ist, sind die Straßen eigentlich in einem sehr erträglichen Zustand.

Und nun kommt schon eine Geschichte, die ich sehr gerne erzähle. Wir fahren so vor uns hin in einem schön frühabendlichen Licht. Rechts und links stehen Bäume, eine Plantage, mit Pfirsichen. Pfirsiche wachsen hier auf Bäumen und nicht auf dem Ladentisch, wie bei uns. Lilija mußte raus und das photographieren! Die waren schon gut abgeerntet, aber ein paar sieht mann noch. Dazu müßt ihr aber wissen, daß ich Pfirsich- und Aprikosen-Freak bin. Nur habe ich es mir in Deutschland abgewöhnt. Die schlechte Qualität, die Horrorpreise dazu, da verzichte ich lieber. Aber hier in meinem Traumland Moldova, war alles wunderbar. Immer an großen Straßenkreuzungen gibt es mindestens drei gleiche Dinge: eine Bushaltestelle, einen Obst- und Gemüseverkäufer, eine Tankstelle. An dieser Kreuzung gab es noch die Nummer vier: ein Restaurant, manchmal ist es auch nur ein kleiner Stand, eine Baude, an der Schaschlik gegrillt wird. Auf jeden Fall bedeutet es auch: Toiletten. Denn Parkplätze entlang der großen Überlandstraßen gibt es nicht. Das ist in der Ukraine und Russland ähnlich. In Polen und den baltischen Ländern gibt es Parkplätze, vielleicht im Verhältnis eins zu fünf zu unserm Niveau.

Ich war zuerst wieder da und verhandelte mit der Frau über einen Pfirsich, 10 Lei, die sahen gut aus, gestern gepflückt, sagte sie noch. Ich wollte unbedingt, es gab nur ein Missverständnis, 10 Lei für ein Stück, für uns Westler ok vom Preis, für diese Qualität. Aber dort gab es für die 45 Eurocent ein Kilo! Und die Katze könnte ich dazu bekommen, wenn ich wollte. Ich wollte schon, aber Lilija hat es verboten. Und die Pfirsiche waren wunderbar, traumhaft, himmlisch. Nicht weich, nicht so hart das die Zähne abbrechen, der Kern löst sich vom Fruchtfleisch, saftig und süß. Ich könnte drin baden.

Die Kartons sind Jelzin beschriftet, eine Vodka Sorte, was auch sonst.

Eine Pause haben wir noch vor Chișinău gemacht. Schon bei den letzten beiden Fahrten haben wir hier gehalten. Inzwischen ist die Tankstelle komplett neu. Ich habe Kwas entdeckt. Lilija hat und mit Kaffee und Kuchen versorgt. Die Verkäuferin hat sich gereut über die nette Kundschaft in ihrem neuen Landen, es roch noch neu. Nur ich werde jedesmal wütend wenn ich diese Displays an der Kasse sehe. Voll mit dem immer gleichen Milky Way, Bounty etc. Als gäbe es in den Ländern nichts eigenes, ist von Deutschland bis Russland oder in die Ukraine immer der gleiche Mist an der Kasse, im Supermarkt, an der Tankstelle. Gibt es mal was eigenes was sich durchsetzt wird es gekauft. Mein russischer Lieblingsriegel war lange Picknick, jetzt gehört er Nestle und ich kaufe ihn nicht mehr.

Wir müssen früher los, dann geht mehr. Drei Bushaltestellen – es gab mehr – Kwas, Pfirsiche und Tankstellen Stop schon sind mindestens zwei Stunden zusätzlich zur eigentlichen Fahrt zusammen. Und schon kommen wir im Dunkeln in Chișinău an. Auch wenn die schon Straßenbeleuchtung haben, fremde Stadt zu erkunden ist bei Tageslicht leichter.

Morjens

Das war schon in Moldova, hier gibt es an jedem Anfang und Ende einer Ortschaft ein Kreuz. Eigentlich sind das Holzkreuze die von regionalen Künstler geschnitzt werden und deren Gesichtszüge sehr bäuerlich sind. Dies ist eine Ikone die durch das Dach geschützt wird. Es wirkt sehr surreal.
Alle Photos: Lilija Birr-Tsurkan

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