Punkt oder Schreib mal wieder

Tach,

ein Artikel aus dem Zeit Magazin

Nun macht sich Einer mal ernsthafte Gedanken um unsere Sprache, die Schriftsprache wohlgemerkt, und dann reicht es wieder nicht weiter als Doppelpunkt es heißt Abschied nehmen. Vermutlich leidet der Schreiber an Wikipedia-Verstopfung (Motto: Dummheit siegt). Dabei zeigt ja nicht nur meine Seite, daß mann gerade nach der letzten sogenannten Rechtschreibreform Widerstand leisten kann. In jedem Konzert von Henry de Winter erzählt er, daß er gar nicht daran denkt, so einen schönen Buchstaben wie das ß aufzugeben. So machen es viele Punkt Wir sind wieder in der Vor-Duden-Zeit angekommen, beim Grimm’schen Wörterbuch Punkt Jeder hat seine eigenen Regeln, und wird trotzdem verstanden, Punkt. Noch ist es Zeit, um schön viel Punkte überall hin zu malen.
Diese typische neu-deutsche Journalistengenörgel geht mir maßlos auf den Geist. Die können nur Schwarz/Weiß. Vor Jahren ist die Schallplatte gestorben, weil die CD kam, die starb dann beim Auftauchen von mp3. Was jetzt auch schon wieder tot ist wegen Streaming. Streaming ist also verläßlich das nächste Tote. Wie sieht die Realität aus? Bei den Hip-Hoppern sind Kassetten angesagt, tatsächlich erzielen frische MCs bei eBay gute Preise. Selbst in mehroderweniger jedem Saturn/Media Markt steht das tote Vinyl neben den toten CDs, während auf der Webseite die toten mp3s runtergeladen werden, neben dem Streamingangebot. Sicher in unterschiedlichen Stückzahlen, keine Frage, aber lebendig. Jeder kauft das, was er will, was ihm gefällt Punkt
Und werden wir uns von Augsburger Puppenkisten VHS Kassetten trennen??? Dann bekomme ich Haue von meinen dreißig Jahre alten Kindern, und von Pico sowieso.

Aber es ist ja nicht nur der Punkt, der leise verschwindet. Halbe Sätze stehen mittlerweile in jeder Zeitung, an jedem Tag der Woche, und kein Redakteur endschuldigt sich mit hochrotem Kopf einen Tag später. Es merkt sowieso niemand. Dabei haben doch alle jetzt Abitur. – Kein Kommentar, jedenfalls nicht jetzt.

Wohin geht die Fahrt, vor zwei Jahren auf dem Rückweg von St. Petersburg, höre ich im Radio oder lese auf dem Tablett, Finnland schafft in den Schulen die Schriftsprache ab. In Berlin angekommen, lese ich in der Zeitung, Hamburg will die Schriftsprache in der Schule abschaffen. Passend dazu haben sie in der nächsten Wahl die längst sterbende FDP wieder in die Bürgerschaft gewählt.
Stellt sich die Frage: was ist da noch das Leben des Punktes wert?

Aber sind sie jetzt völlig irregeworden? Zeit meines Lebens hadere ich mit der Schriftsprache, stottere bei manchen Fremdworten („Fremdwörter sind Glücksache“ Zitat Mutter Birr). Ich weiß ein Diktat in der vierten Klasse, der Lehrer ruft mich auf und freut sich, daß ich das schwere Wort Mülltonne im Diktat richtig geschrieben habe. Ich weiß noch bis heute, wie ich dieses Wort langsam gemalt habe, verstanden habe, daß es zwei Worte sind, zusammengesetzt. Die Hand hat es im Gehirn eingebrannt. Das sollen meine Enkel missen, durch Schreiben unsere Sprache zu verstehen, sich auszudrücken? Alle haben Abitur, aber keiner kann noch schreiben?

Also Freunde, nun ist es Zeit meine Kampagne zu starten. Die Älteren werden sich erinnern, so vor dreißig Jahren, als langsam das Telephon in jede Wohnung einzog, es erschwinglich wurde zu telephonieren, gab es schon mal ein Sterben, kaum beachtet: es wurden deutlich weniger Briefe geschrieben. Alarm für Die Post damals. Sie antwortete mit einer Werbung in den Telephonzellen: Schreib mal wieder…

Das nehme ich zum Motto meiner Kampagne: Schreib mal wieder!

Der Vorsatz, jede Woche einen oder zwei Briefe mit der Hand zu schreiben, eine DinA4 Seite: Kinder, Familie, Freunde, Bekannte, Geschäftspartner Punkt Statt einer SMS oder Email, mit der Hand schreiben, in einen Briefumschlag stecken und auch den selbst beschriften. Schon heute schwitzt mancher, wenn er es schaffen soll eine Urlaubspostkarte voll zu bekommen. Wohl dem, der eine große Schrift hat. Aber nein, nur Mut. Übung macht den Meister, sagt Larissa immer. Derjenige der Post bekommt, muß ja nicht antworten, sondern kann einem Nächsten schreiben, immer mit dem Wunsch: Schreib mal wieder!

Und was machen wir mit dem Punkt? Vielleicht zum Aufwecken einen Doppelpunkt, der andern Art..
Morjens


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.