Novgorod 2017 – Dienstag, dritter Januar, Sophien und Händlerseite

Tach,

Am zweiten Januar sind wir ins Große Novgorod (Weliki Nowgorod) gefahren. Das Große Novgorod ist hier bei St. Petersburg, 180 Km weit weg. Das andre Novgord, das Untere Novgorod (Nizhny Novgorod) ist an der Wolga, dorthin sind es 1100 Km.

Novgorod war eine Hansestadt. Durch den Wolochow fließt der Ilmensse ab zum Ladogasee, von dort ging es zur Ostsee. Der nahe gelegene Ilmensee hat mehrere Zuflüsse, über diese gelangten die Kaufleute bis zum schwarzen Meer. Seit ein paar Jahren ist Novgorod wieder Mitglied der Hanse. Es gab sogar ein Hansetreffen in diesem Haus. Links ist ein Wegweiser der zu andren Hansestädten zeigt.

Das Große Novgorod heißt nicht etwa groß, weil es eine ganz große Stadt wäre, es sind etwas weniger als 220.000 Einwohner, weniger als schon mancher Berliner Bezirk hat. Das Große Novogord heißt wegen seiner historisch-politischen Dominanz seit alten Zeiten so, und der wirtschaftliche Aspekt spielt sicher eine Rolle. Hier ist Alexander Nevsky rumgerannt und hat den Schweden aufs Maul gehauen (1240), und später hat er und sein Heer auch den Deutschen Ordnen geschlagen (1242). Die Stadt war von den Verwüstungen durch die Mongolenstürme verschont geblieben und war, vor allem unter Alexander Nevsky, Zentrum der Russischen Fürstentümer und der Sitz des Großfürsten. Sehr erstaunlich: Nowgorod war im Hochmittelalter neben Konstantinopel die einzige Stadt in Europa, in der nicht nur der Adel und der Klerus, sondern auch die einfachen Menschen lesen und schreiben konnten! In Novgorod steht der erste Kreml. In Novgorod wurde die erste Steinkirche gebaut. In Novgorod steht seit 1862 das russische National-Denkmal zum 1000-jährigen Bestehen der Rus. Durch die Stadt fließt der Wolchow, der sie in zwei Seiten teilt, die Seite mit dem Kreml (auch Sophienseite nach der Sophienkathedrale) und die andere Seite, die Händlerseite.

Wir haben etwas außerhalb, in der Platte eine Wohnung gehabt. Küche, Badezimmer, Flur und Schlafzimmer mit Balkon. Besser als das Loch in Wologda, aber richtig schick war es auch nicht. Nun, zwei Tage läßt sich alles ertragen. Wir sind ja immer früh abends zurück und kochen uns was, oder essen Stulle mit Brot. Damit Zeit bleibt die Photos zu sortieren, ich fange meist gleich einen Text an, damit ich nicht alles vergesse, Lilija schreibt E-mails und kommuniziert mit Katja, ohne das geht es nicht.

Blick aus dem Fenster/Balkon der Wohnung

Wie immer – wann hört das auf? – an der Stadtausfahrt falsch abgebogen und quer durch Pushkin zur M 10 – auf der dann noch mal in Tosno geradeaus gefahren, statt die Stadtumgehungstraße zu nehmen und schon sind wieder zwei Stunden verplempert. Da waren wir noch im Leningrader Gebiet (quasi Bundesland nur größer). Russische Geschichtsaufarbeitung: aus Leningrad wurde wieder St Petersburg, und drum herum blieb es Leningrader Gebiet, so macht mann es Jedem recht. Die erste Woche nach Neujahr ist in Russland Erholung, Ferien, außer in den Geschäften arbeitet im Grunde niemand und Handwerker sollte mann erst zum Ende der zweiten Woche bestellen, wenn sie wieder nüchtern sind. Ich gehe in der ersten Woche auch nicht in die Banja, zu voll, zu laut, zu viel Bier und Schnaps. Viele nutzen die Pause zwischen den Jahren, wie wir, zu einem Kurzurlaub oder besuchen Verwandte, was manchmal das Gegentheil von Erholung ist. Lange-Rede-kurzer-Sinn, das kam noch dazu, die Straßen waren voll, und abscheuliches Regenwetter. Wir sind, Lilija ist, Kummer gewohnt und nach fünf Stunden waren wir endlich in Weliki Nowgorod.

Angekommen auf der Händlerseite – Der Weg zur Brücke – Blick auf den Kreml.

Das übliche morgendliche Geplänkel hat mich dann an dem von Lilija gedachten Parkplatz vorbeifahren lassen. Kein Problem? Nun, „große-Straße-in-russischer-Stadt“, bedeutet erst einmal endlos immer geradeaus weiter, vielleicht irgendwo rechts abbiegen, aber links, gar wenden, nicht in diesem Land, und für die ganz Doofen sind auch immer gleich zwei durchgezogene Linien in der Mitte solcher Straßen. Also sind wir – zu unserem späteren Glück – über den Wolchow auf die Händlerseite gefahren, da wollten wir später sowieso auch hin, dort stehen so viele Kirchen an einer Stelle. Von der Händlerseite gibt es eine Fußgängerbrücke über den Fluß, die direkt in den Kreml führt. Unser erstes Ziel an diesem Morgen.

Am Anfang der Brücke gibt es die Skulptur „Müde Touristin“. Das hat Lilija gleich zur Pause genutzt und sich neben sie in die Sonne gesetzt, ich habe die Beiden photographiert. Mann hat von der Händlerseite einen wunderbaren Blick auf den Kreml, der Fluß ist recht breit und mann kann von der Brücke weit in Richtung Ilmensee sehen. Das Schöne an Lilija ist, daß sie mindestens so oft aufs Klo muß, wie ich. Darüber gibt es wenigstens keinen Streit. Als es erledigt war, sind wir einmal ums National-Denkmal gelaufen, dort ist es immer voll und ein einigermaßen hübsches Photo ohne Mensch kaum möglich und an diesem Morgen stand auch die Sonne dahinter. Aber da wir dort schon zweimal waren, können wir die alten Photos suchen und einen kleinen extra Post zu dem Ding machen.

Auf der Brücke: hier in Russland, wie auch in der Ukraine, hat sich diese Schlösser-an-Brücken-schließen-Manie auch sehr verbreitet. Ich habe es sogar zu erst in Russland gesehen. Hübsch ist aber an dieser Brücke, die Stäbe sind sehr dick, so können die Päarchen nur solche ollen Schlösser nehmen, weil die eleganten nicht rum passen.

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Dann endlich, für mich, zur Sophienkathedrale, und vorher noch die Glocken bewundert. Die Sophienkathedrale ist der erste Steinbau Russlands, heißt es, sie wurde 1045 – 1050 gebaut. Ich mag diese Kirche sehr. Und vor allem auch die Schwarze Madonna Ikone. Und diesmal war es so leer, bei aller Völle insgesamt, daß ich nach kurz Anstehen an die Ikonen gekommen bin, sie küssen konnte, die letzten Male standen unendliche Schlangen davor, sogar für ein kurzes Gebet war Zeit, das hatte ich mir fest vorgenommen. In der Kirche haben wir dann erfahren, daß auch Fürst Waldimir I. hier kurz begraben war und dann nach Kiew überführt worden war. Wir wollten über die Brücke zurück, und haben aber beide unabhängig voneinander das Knirschen des Eises im Wolchow gehört und sind runter ans Ufer um zu photograhieren und zu filmen.

Dort wo das Mauerwerk zu sehen ist, ist der älteste Theil der Sophienkatedrale.

Wieder auf der Brücke ruft Lilija mich und zeigt ans Kremlufer. Tatsächlich eine Frau, eine Eisschwimmerin kommt locker im Bikkini an, dreht mal eben eine Runde im Wasser und geht dann in aller Ruhe wieder weg. Für die Eisschwimmer ist extra ein Häuschen am Ufer gebaut worden, in dem sie sich umziehen können. Ich habe es gefilmt, das Schwimmen Lilija hat Photos gemacht.

Das Video ist in Vorbereitung.

Danach dann zurück auf die andere Seite und auch wenn es nur zehn Grad minus im Sonnenschein war, war uns kalt und theedurstig. Links neben der Brücke ein kleines verheißungsvolles(?) Restaurant(?).

Lilija rein, kommt raus: uff voll, ich sage macht nichts. Wir fragen einen Menschen ob es noch Platz gibt, er zeigt auf die beiden Tische im Freien vor der Thür. Danke. Drinnen zwei Tische, acht Plätze, sieben belegt. Ich denke, wir können auch stehen. Lilija bestellt, Piroggen und Tchai. Kein Thee, es gibt kein Wasser. Nicht diskutieren, wir trinken Kwas. Nun, es hätte ja trotzdem irgendwie nett sein können, immerhin selbstgemachte Piroggen, Suppen und ähnliches, ist doch schon mal was, und kein Wasser kann jedem passieren. Tja, aber Mutti war schwer unlustig, langsam (meine Mutter hätte dafür „lahmarschig“ gesagt). Geschmeckt hat es auch nicht. Und zu allem Übel in dem Loch dann auch noch eine Computerkasse, mit der sie gekämpft hat. Wofür?, fragt mann sich. Was für Qualen werden bloß Touristen immer auferlegt, dachte ich so bei mir. Bloß wieder raus.

Danach sind wir die Straße ein Stück parallel zum Wolchow gefahren, um auf dieser Seite eine ruhige Stelle zu finden und von dort noch weiter Fluß und Eis zu filmen. Danach waren wir beide gut durchgefroren. Stück zurück und zu den vielen Kirchen, die dort an einer Stelle stehen. In eine sind wir auch rein. Und Lilija unterhielt sich etwas mit der Dame an der Kasse. Jede Zunft, jede Händlergruppe hatte ihre eigene Kirche, die Kirchen, hochgebaut, wurden auch als Lager benutzt.

Kirchen auf der Händlerseite – der Innenraum der unverputzten Kirche.

Aber nicht nur jede Zunft hatte eine Kirche, sondern auch jede Straße hatte eine eigene Kirche. Meine Frage, ob die dann auch alle einen eigenen Priester hatten, konnte sie nicht beantworten. Novgorod war eine reiche Stadt.

Lilija ist noch ein bißchen alleine rumgelaufen, im Dunklen schon. Dabei hat sie noch mal Photos vom Kreml gemacht und einen kleinen Weihnachtsmarkt am Haupteingang entdeckt. Ich habe dieweil im Auto gepennt.

Morjens

 



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