Russia 2017 Sommer – Kaffeemuseum

Tach,

Heute haben wir wieder den Tag vertüddelt. Passiert. Eigentlich war gar nichts, bzw. was ganz anders geplant, aber wie sagte meine Mutter immer: Erstens kommt es anders, zweitens als mann denkt.

Ich habe eine kleine literarische Serie vor, dafür brauche ich Photos und Lilija muß mit, denn ich soll ja auf den Photos zu sehen sein. Also im Prinzip nicht so schlimm, aber die Plätze, die wie im Winter besucht hatten, da waren die Photos nicht so wie ich wollte. Das war noch mit der alten Kamera und spät nachmittags bis abends, wo es hier dann schon duster ist. Also im Sommer photographieren, aber was tun, wenn es immer nur pisst. Tage erwünschen. Heute ein gemischter Tag, kein Regen aber auch keine strahlende Sonne.

Wir fuhren durch die Stadt und ich sah ein Denkmal, eine große Frau. „Was ist das?“ Lilija sagt: „Das ist ein Denkmal für die Frauen, die auf ihrer Männer warten, die im Gefängnis sind.“ Wir waren dann in der Nebenstraße. Und Lilija sagte, ich gehe zum Denkmal und photographiere es. Ich ging zum Auto und als wir uns wieder trafen sagte sie, „Das ist Achmatova“ (Das war eine sehr bedeutende russische Dichterin und ich liebe sie sehr, schon lange bevor ich das erste Mal in Rusland war.) Dann müssen wir natürlich ein Photo mit mir und ihr machen, also fahren wir dahin, und wie es der Zufall will, wir halten genau vor einem Haus an dem „Kaffee Museum“ steht. Wovon weder Lilija noch ich bisher etwas wußten. Erst die Photos, dann das Museum. Gesagt, geknipst. Dann also das Museum.

Die Achmatova schaut über Neva weg auf das Gefängnis.

Das einzige Kaffeemuseum Ruslands. Ja, ich bin wie ich bin, und das war wieder so russisch/sowjetisch, daß ich aus der Hautfahren könnte. Mache ich aber nicht mehr, nur noch ganz selten, sondern sage „dann eben nicht“. Was hätte meine Mutter gesagt, genau: wer nicht will, der hat schon. Und das ist die Geschichte: Ich steh am Schalter, gucke, Karte 250, der Mann (älter) sagt zu Lilija mit Führung 800, Lilija sagt nächste Führung 18.00 Uhr. Ich aber will keine Führungen, in Deutschland nicht, und die in Russland schon gar nicht. Nein, sage ich, 250 reicht, also 500, und gebe dem Mann einen 5000 Rubelschein. Das sind ungefähr 70 Euro. Sollte für eine Museumskasse zu bewältigen sein. Nein, ist es nicht, wir sollen mit Karte bezahlen. Also zückt Lilija die Karte. Geschafft, wir haben Karten. Da kommt eine Frau (jünger), Museumsbesuch nur mit Führung, Ich, spitzfindig wie ich bin, wieso gibt es dann Karten für 250 und nicht nur für 800. Keine Antwort. Geht mit Lilija ein bißchen hin und her. Lilija zückt die Karte, sie sollen zurücküberweisen (das geht hier), wir gehen. Wird gemacht, kaum ist das passiert, sagt der Mann, wir können doch rein (er will offensichtlich den Umsatz haben, denn es ist zumerken, das hier ziemlich tote Hose ist). Lilija genervt, damit das mit der Karte nicht wieder losgeht, zückt einen 500 Rubelschein.

Geschafft, wir sind in dem einen Raum, aus dem diese Museum besteht. Der Mann kommt mit und redet ein bißchen mit Lilija, mir fällt auf das sie nicht einmal solchen Kaffeekocher, russisch wohl bemerkt, haben wie Lilija ihn hat und über den ich schon geschrieben habe. Überhaupt ist dünn auch nur so eine Beschreibung die diese Museum nicht richtig trifft. Kaffeedosen, ist ja nett, aber nur sowjetische? Zwei große Wandgemälde mit Zuckertüten und Stückchen. Was einem so auffällt, vielleicht wäre ein Satz Tassen, Mokka, Espresso, normal, Cappuchino, eine Bowl etc, doch nett, aber nichts, Eine italienische Kaffee Maschine, nix, überhaupt eigentlich eher nichts. Es steht Krimskrams rum, Füllsel. Ärgerlich das ganze, aufgeblasen… Dann fiel uns ein, daß wir schon einmal in so etwas waren. Auf der Hochzeitsreise in London, dort in einem Theemuseum. Die hatten wenigstens gefühlte 150 Theekannen. Aber das hier? Das einzige was uns gefiel hat Lilija photographiert, das Startbild zum Artikel. Das ist einem berühmten Theeservice nach empfunden.

Und es gibt einen Shop, klar. Aber keine Bücher, Postkarten etc. Caffemotiven, gemalte Bilderchen mit Motiven aus dem Museum, weeste, nee. Aber es gibt Caffeesorten, ca 15 verschiedene. Die sehen aber auch so aus, als ob die schon gut eine Weile da rum stehen. Was kostet es, fängt bei 2000 Rubbel an für 100 g. Mich interessiert der aus Jamaica, 7000! 10 Euro (Wir sprechen über 100 g!). Hawaii haben sie nicht.

Ob wir nicht im ersten Stock einen Kaffee trinken wollen, mit der Eintrittskarte gäbe es Rabatt. Wieder der ältere Mann, er kämpft um jede Kopeke. Na gut. Also hoch, ich wie immer Cappuchino, Lilija auch. Wir werden aber gar nicht gefragt welche Caffeesorte wir möchten, weil sie nur eine Sorte haben, selbst aus drei Sorten gemischt.

Wir setze uns raus, der Blick über die Neva ist schön, und so kalt ist es auch nicht, mir jedenfalls nicht, es kommt eine Tasse, es kommt die zweite Tasse. Muß ich jetzt noch was schreiben, nachdem Vorspiel und Hauptgang, ist der Abschluß perfekt passend. Der Caffee ist, ich zitiere wieder meine Mutter: „…unter alles Sau“. Absolut lächerlich. Brühe, wie du sie bei jedem Bäcker aus dem Automaten bekommst. Von Barista und ähnlichem haben die noch nie was gehört.

Der Blick war nett, das Sitzen schon nicht mehr so, das ganze Haus zittert, wenn der Autoverkehr vorbei kommt, als säßen wir über einer U/S -Bahnstation. Definitiv nicht empfehlenswert.

Morjens

Alle Phtos Lilija Birr-Tsurkan p & c 2017

 



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