Odessa II – Der Skulpturengarten des Literaturmuseums

Tach,

Heute, Sonntag, bin ich spazieren gegangen, meine tägliche Stunde ablaufen. Auch wenn es fürchterlich aussieht, ich trage lieber die Sportsschuhe. Dafür sind sie ja gekauft worden und ich spüre ihre Hilfe tatsächlich auf diesen langen Strecken. Vorgestern wollte ich schick aussehen, soweit das bei mir geht, und bin mit den Sneakern rumgelaufen, auch 80 Minuten. In der Wohnung angekommen, haben mich meine Füße bitter bestraft und den ganzen Abend vor sich hingebrummt.
Es war strahlender Sonnenschein, vierter Oktober und 22 Grad. Erst eine Fahrt mit der potemkinschen Treppenbahn, runter und wieder rauf für jeweils 3 Griwna, 12 Cent. Tatsächlich war das drei Menschen vor mir zu teuer, nee, dafür laufe ich lieber.

Nach der Bahnfahrt bin ich in Richtung Oper gelaufen, ich hatte beim Umrunden von Odessa mit dem Auto auf der Hafenebene noch eine zweite Treppe gesehen und wollte wissen, wo sie ist. Am Ende der Pushkinstraße nach links. Da kam ich zum Literaturmuseum, und erinnerte mich an den Garten, dort sollte es eine Skulptur von Anna Achmatova geben, der Garten hat einen separaten Eingang. Zwei Damen saßen gemütlich auf einer Bank gegenüber dem Kassenhäuschen in der Nachmittagsonne. Ich kam nicht rein, erst ins Haupthaus und ein Ticket kaufen. Ja, ja. 45 Griwna!!!!!!!! Da dongte es. Ich frage: „Das ist wohl ein Touristenspecial Preis.“ Schlichte Antwort: „Ja“.

Und dann wollte die Dame im Garten den teuren Zettel, extra abgestempelt von der Dame im Haus, einreißen. Nix is, habe ich gesagt.

So, nun endlich im Garten, ein erster Blick, doll ist er nicht. Zweiter Blick, hchmmm. Ja, nun.

Hier in Odessa mag es noch verständlich sein. Nichts auf Englisch. Nicht mal der Pfeil zum Klo. In Petersburg ist das aber auch so. Ausnahme das Russische Museum, aber auch noch nicht so lange. Nicht mal in der Metro stehen die Stationen auf Englisch oder wenigstens mit lateinischen Buchstaben an der Wand, jedenfalls solange ich damit gefahren bin. Lilija sagt, jetzt stehen sie dran. In Petersburg sind nun reichlich Touristen und überall wird einem der Stolz auf die vorhandene Kultur unter die Nase gerieben. Warum sollen dann die Touristen nichts darüber erfahren? Im Vergleich dazu, die an Schwachsinn grenzenden englischen Durchsagen der BVG und die berühmten der Deutschen Bahn.

Die Zwölf Stühle von Ilf und Petrow und eine Odessa Mama mit vielen Babys.

Also habe ich mir die Kunst angesehen. Larissa sagt, das soll alles Satire sein. Nu. Diese drei Mäuse gehen so für meinen Geschmack, sie sollen die Arbeit der Museumsleute symbolisieren, alles unter suchen, überallrum wühlen. Die beiden mit dem Stuhl, das soll wohl „12 Stühle“ sein. Nun gut. Kurz, meins ist es nicht. Mit dieser Art Skulpturen kann ich so gar nichts anfangen. Dann fiel mir ein, daß Lilija ja auch im vorherigen Sommer dort war und auch mehr als enttäuscht zurück kam.

Die wahren Bewohner des Gartens

Aber da gab es ja noch die wahren Bewohner des Gartens. Schon am Empfang draußen saß eine. Und der Rest alles auf diesem kleinen Hof. Die beiden Roten wunderschön. Und dann diese irre bunte, grau meliert in rot, und das ganze auf weiß. Und wie paßt der schwarze Kater dazu?
Das war für mich viel interessanter, als die Skulpturen.

Die Empfangsdame.

Die Empfangsdame.

Aber es wurde dann doch noch ein literarischer Tag. Beim Weiterlaufen bin ich an dem Haus vorbeigekommen, indem Alexander Grin wohnte und gleich daneben wohnte Gorki. Und ich bin einmal die ganze Buninstraße entlang gelaufen. Auf dem Weg nach Hause habe ich noch kurz bei Pushkin vorbei geschaut.

Morjens

Der Roman „Zwölf Stühle“ von Ilja Ilf und Jewgeni Petrow in einer neune und vollständigen Übersetzung  in der Samlung Luchterhand.

Von dem Roman sind zu unterschiedlichen Zeiten in der Sowejtunion unterschiedliche Theile zensiert worden. Erst 1997 erschien in Moskau eine vollständige Ausgabe. Diverse Verfilmungen.

Wer mich doof findet und/oder mehr über den Skulpturengarten wissen/lesen möchte der kann hier alles finden

Das ist die Seite des Literaturmuseums Odessa. Alle Skulpturen sind abgebildet, mit kurzen Texten dazu, allerdings in russisch.

http://museum-literature.odessa.ua/pbasic/lru/tb3/tp3/id53

 

 


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