Vatertag 2018

Tach,

„Wir wissen nicht was Marika Röck empfiehlt, wir empfehlen Togal“, für die Älteren unter uns, eine der quälenden Fernsehwerbungen der sechziger Jahre, wer da alles empfohlen hat… Gute Güte.
Ich weiß nicht was Sie frühstücken, ich frühstücke Torte, Donnerstag, Freitag, Sonnabend und nun den Rest am Sonntag. Ich empfehle einen Sohn, der zum Vatertag eine Torte backt, und nicht immer nur auf den folgenden Sonntag starrt. Sohn Drei, Pico, hat eine Torte gebacken, eigentlich, aber wer ist da nachtragend penibel, ist er noch sieben Torten in Rückstand, könnte er locker in zwei Jahren auf Null kommen, Vatertag, Geburtstag sind schon zwei, Ostern! Und dann noch zwei Überraschungstage. Nun, solange muß er sich eben damit aufziehen lassen. Immer die gleiche Torte (weil ich das so will), die erstaunlicherweise beide Omas gebacken haben, er hat das Rezept dann von Oma Waltraud übernommen. Dies Jahr ist es verändert, weil Haselnüsse alle waren, sind es heute Mandeln.

Auch pünktlich war er, er habe etwas vor mit mir, am Vatertag hat er gesagt, sehr geheimnisvoll. Aber bevor wir los gehen, können wir noch spielen, endlich mal wieder mit einem Sohn spielen, das vermisse ich sehr. Im unsere Familie haben wir alle mindestens ein Spielgene, mit meinen Eltern habe ich ewig Canasta oder Rome gespielt, mit meiner Mutter immer und ewig Dame, mit meinem Vater mehr Mühle, und als ich kleiner war natürlich Mensch ärgere Dich nicht. Meine Eltern haben immer Halma gespielt, ich dann zwischendurch auch, aber eigentlich fand ich es immer doof. Dame mit meiner Mutter war eine Herausforderung, sie hat einen nie gewinnen lassen, wollte immer selber gewinnen. Tatsächlich habe ich mit achtzehn das erste und einzige Mal gegen sie gewonnen. Als Pico noch kleiner war und an den Wochenenden bei mir war, haben wir immer und ständig gespielt, schon bei Frühstück, auch am Montag vor dem Kindergarten bzw. der Schule. Jetzt haben wir endlich mal wieder Carcassonne gespielt und mußten beide unsere Gehirne anstrengen: wie ging das noch mal? Aber dann lief es ganz gut, nur das wir bis zum Losgehen nicht fertig wurden, nach Punkten lag Pico vorn, strategisch natürlich ich.

Wir müssen zum Zoo, er hat was vorbestellt. Ich war ganz aufgeregt, ich hatte über eine Fahrt mit der Bahn rund um Berlin gelesen und gedachte die Karten sind sowieso schon weg, sollte Pico schnell genug gewesen sein? Dann muß ich die Kamera-Ausrüstung mitschleppen und es war puh-warm, 27 Grad. Und Trinken brauche ich auch, und was ein alter Mann so alles beachtet. Ich habe dann nur die kleine Kamera eingesteckt und Pico mußte die Pulle Wasser tragen. Weil Feiertag war, durfte ich auf seiner Monatskarte mitfahren. Beim Bahnhof Zoo angekommen war ich dann verwirrt, er lief zum falschen Ausgang raus. – Und dann standen wir vor dem Zoo Palast. Das war der Plan, Vater und Sohn gehen ins Kino. Auch gut und wir waren früh dran. Eine dreiviertel Stunde zu früh. Wir haben einbißchen in der Zoo Lounge gechillt, in der prallen Sonnen, den Lauf der Dinge beobachtet.

Chillen mit Finger und ohne.

„Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“, da hatte ich nur kurz eine Besprechung überflogen. Eigentlich… aber nein, es ist Vatertag und ich soll nicht nörgeln und wir wollen zusammen ins Kino gehen. In so ein frischrenoviertes, eine Mini Kino Lounge. Schön ist die Beinfreiheit, aber mann kann auf den Sesseln nicht sitzen, es sind alles Klappsitze im Stil der sechziger Jahre. (Dazu muß ich vorausschicken, ich bin nicht der Sesseltyp, zum Verzweifeln aller Mütter und Stiefmütter, ich sitze auf einem Stuhl am Kaffeetisch, alle finden das ungemütlich, nur ich nicht, der Caffètisch auf Kniehöhe, danke.) Auch wir hatten auch so einen Fernsehsessel zuhause in der Finnensiedlung in Kladow, skandinavisches Design, rauf setzen und schwupp, klapp, bist Du in einer liegenden Position, Beine hoch. Nicht so mein Ding. So waren aber alle Sitze im diesem Kino. Ich habe dann etwas anstrengend aufrecht gesessen, um nicht nachhinten wegzukippen. In der liegenden Position hätte ich wahrscheinlich sowieso nach zehn Minuten geschnarcht. Aber eingeschlafen bin ich auch so, zweimal, und Pico auch. Wie kann das sein, es ist zum Verzweifeln. Natürlich, ich habe die Augsburger Puppenkiste im Original im Fernsehen gesehen, ich habe die Geschichte mit den Zwillingen als Video gesehen und bei Pico gab es schon DVDs, alles mehrmals. Eine Kinderkasette für das Auto hatten wir, eine CD mit den Liedern der „Puppakiste“, wie Pico immer sagte, auch. Haben wir alles rauf und runter gespielt. Also war die Frage an den Film nur, haben sie es hinbekommen, ist es spannend?
Die Kurzversion: nein, haben sie nicht. Es ist einfach nur langweilig. Es ist super photographiert in State-of-the-Art Fantasylike. Nur das einen die Geschichte nicht mit nimmt. Es gibt keine Spannung, von A nach B nach C, die Sprecher, die Schauspieler sind nicht komisch, Alfons der Viertel-vor-Zwölfte, ausgerechnet besetzt mit dem Langweiler Uwe Ochsenknecht, verhaspelt sich, hat Versprecher, aber es ist unglaublich gewollt, kein Kind hat in diesem Film gelacht. Aber auch kein Kind hat geweint oder sich gefürchtet, daß was jeden Disney Film ausmachte, ein Rauf und Runter der Emotionen. Lachen und Weinen, und dann wird alles gut. Hier ist alles nur ein aneinanderreihen von Szenen. Lukas sagt etwas, Pause. So geht es den ganzen Film, von einer Pause zu andern, Pico sagt sie mußten doch die lange Geschichte zusammenfassen. Nur warum kommt einem das alles so lang vor, warum ist der ganze Film so langweilig? Weil die Texte barrierefrei sind, wie Pico oder Raoul sagte? Es ist so gewollt: ein Erwachsener versucht in Kindersprache zu reden. Es ist konstruiert. Schade.
Und in der heutigen Zeit von me too, ich bin ja nicht als „Thomas der Genderer“ bekannt, trotzdem fand ich das unpassend: Lukas sagt zu Emma „Mein Mädchen“, der Drache am Eingang der Drachenstadt will mit Emma ausgehen, sie nicht. Als sie weiter fährt sagte er: „…schade, sie hat so einen schönen Kasten“. Wo bleibt der Aufschrei im Netz?
Wie alle Schauspieler in dem Film hat auch Frau Waas kein Profil und lächelt immer nur debil. Herr Ärmel, gefühlte hundertmal wiederholt Jim seinen Streich mit ihm, schießt per Zwille einen Topf um, der sich dann über den Anzug von Herrn Ärmel ergießt. Er regt sich nicht auf, und geht sich umziehen. Einzig den Kaiser von China lasse ich durchgehen.
Aber immerhin habe ich mal wieder Eiskonfekt gegessen, das gehört zum Kino dazu. Zurück bin ich wieder auf Picos Monatskarte geritten und wir haben in der Turmstraße noch ein bißchen gepost.

Posen in der Turmstraße

Ein schöner Vater und Sohn Tag.

Morjens

Das offizielle Vatertagsphoto 2018
Alle Photos p & c 2018 Birr‘ World

 


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