Odessa II – Mit der Katze ans Meer

Tach,

Zu zweit ist es schöner. Stimmt nicht immer, aber oft. Das dachte ich, als ich heute meinen täglichen Spaziergang auf der Trasa Zdorovja am Meer machte. Ich kam an einer Frau vorbei mit Tasche, an deren Rücken sich eine Katze schmiegte, das ganze auf einer Bank direkt am Meer, mit Blick auf das Meer, Die Frau griff auch hinter sich um zu überprüfen ob die Katze da ist. Mit Tasche, ich dachte erst, mit dieser Tasche wird sie die Katze zum Meer tragen. Klar habe ich gleich Photos gemacht. Das ging ganz gut, es war noch hell und die beiden saßen stil.

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Beim Weiterlaufen fiel mir dann wieder eine Geschichte aus Kladow ein. Wir wohnten damals in der Finnensiedlung. Benannt nach der Bauart der Reihenhäuser. Freunde meiner Eltern hatten auch eine Katze oder einen Kater, das weiß ich nicht mehr und den Namen weiß ich leider auch nicht mehr. Die beiden gingen jeden Abend die gleiche kleine Runde vor dem Schlafengehen, oder nach dem Abendbrot… das weiß ich auch nicht mehr. Aber was ich weiß ist, daß ihre Katze mit ihnen ging, sie begleitete. Sie lief immer im Abstand von zwei Metern parallel zu ihnen die Runde mit, jeden Abend. Das fiel mir ein als ich an den Beiden heute vorbeiging. Auf dem Rückweg waren sie noch da, sie hatten die Bank gewechselt, ich beschleunigte meinen Schritt und blieb stehen um zu photographieren. Die Frau war aufgestanden und wollte aufbrechen. Ich wollte natürlich unbedingt ein Photo machen wie die Katze in die Tasche kommt. Zu meiner Überraschung kam die Katze nicht in die Tasche. Erst blieb sie sitzen, als wollte sie noch nicht aufbrechen, die Frau drehte sich um sie war schon gut 20 m weg, die Katze kam und lief ihr hinterher, quer zu den Füßen, ein Stück vor, ein Stück zurück, wie nur Katzen und kleine Kinder einen so zum Stolpern bringen können. Ich fühlte mich wieder an die Geschichte aus Kladow erinnert. Ich ließ die beiden vorlaufen, um Photos zu machen. Dann verschwanden sie. Manchmal fällt der Groschen bei mir ja in Pfennigen, wie meine Mutter immer gesagt hat. Ach dachte ich, schnell hinterher, dann kannst Du Photos machen wie die Katze ins Auto steigt.

Aber zu meiner Überraschung standen sie an einer verfallenen Grünanlage. Die Katze neben der Tasche. Ich dachte, ja jetzt kommt es. Aber nein, nichts, ich habe noch ein paar Photos gemacht und bin weiter. Dann habe ich allen Mut zusammen genommen und bin zurück gegangen: U menjar est vapros (Ich habe eine Frage). Geredet haben wir dann auf englisch (sie) und ich russisch und englisch, beide dasselbe Niveau, wenn man das überhaupt schon so nennen kann.
Ob die Katze in die Tasche kommt, ob es ihrer Katze ist. Nein, die Katze kommt nicht in die Tasche, und es ist auch nicht ihrer Katze. Die Katze lebt hier am Strand. Ob ich Katzen mag. Ja otschen lublu koschek (Ich liebe Katzen sehr), unsere ganze Familie liebt Katzen. Na, das ist schön. Nein, die Katze gehört ihr nicht, sie sind Freundinnen und sie kommt die Katze regelmäßig besuchen, dann sitzen sie auf der Bank, drei, vier Tage in der Woche.

Ich habe vergessen zu fragen wie die Katze merkt, daß sie da ist. Aber dazu fiel mir wiederum eine Birr’sche Katzengeschichte ein. In der Stadt, in Schöneberg W 30, in der Habsburger Straße wohnten wir im vierten Stock. Unser Stadtkater hieß Inky. Nach einem der beiden Neffen von Felix dem Kater, einen Comic den meine Mutter mir immer vorlas. Noch bevor wir meinen Vater die Treppe hochkommen hörten, er hustet immer viel, vom Rauchen, so wie ich später auch vom Rauchen, saß der Kater an der Wohnungstür und erwartete ihn. Ich weiß nicht mehr wie, aber wir haben rausbekommen, daß er in dem Moment an die Tür lief, wenn mein Vater den Schlüssel in das Haustürschloß steckte.
So stelle ich mir vor, daß die Katze ihre Freundin hört, wenn sie die Treppe zum Stand runter läuft.

Morjens

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Was für eine Schönheit!

 

PS
Es tut mir Leid für dies Art Photos im zweiten Theil, bei Bewegung und Dämmerlicht ist die Kamera nicht gemacht. Ich habe die besten behalten, auch wenn sie doppeltbelichtet wurden, damit wenigsten ein kleiner Eindruck entstehen kann. Isch schwöre: Ich kaufe mir eine Kamera die all so was kann, es ärgert mich ja auch selbst. So eine tolle Geschichte und dann kaum Photos.


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